Trauer braucht Zeit

Trauer braucht Zeit, wie lange hängt von den Umständen und der eigenen Persönlichkeit ab.
Trauer hat verschiedene Auslöser. Abschiede von Menschen, Tieren, dem sozialen Umfeld, der Arbeitsstelle oder der Jugend.
Trauer begegnet uns überall. Im eigenen Leben und bei unseren Mitmenschen.
Die Begegnung mit Trauernden macht unsicher, wir haben es schlicht nicht gelernt, uns mit den Gefühlen anderer auseinanderzusetzten.
Oft begleitet von Ungeduld und platten Trauerkartensprüchen, umgehen wir die direkte Konfrontation.
Dabei würde uns diese Erfahrung bereichern und lehren.
Aushalten und schlicht da sein, zuhören, zuhören und nochmal zuhören und gemeinsam schweigen.

Wie lange darf man trauern?
Was ist angemessen?
Solche Fragen begegnen mir immer wieder. Früher war das Trauerjahr traditionell vorgegeben.
Da ging man in Schwarz und es war unschicklich einen neuen Partner ins Auge zu fassen.
Ist das die perfekte Zeit?
Doch was ist eine perfekte Zeit?
Wo meine Arbeitskollegin noch nach Jahren Tränen in den Augen hat, wenn sie von ihrem verstorbenen Rüden erzählt, hat sich eine Nachbarin nach dem Tod ihres Mannes anscheinend recht schnell erholt.
Ein ehemaliger Kollege leidet nach dem Verlust der langjährigen Arbeitsstelle Höllenqualen, noch nach Jahren. Er vermisst die Kollegen und Kolleginnen und die Atmosphäre des Büros.
Meine Schwiegeroma war nach dem Tod ihres Mannes bis zu ihrem Tod, über vierzig Jahre lang, allein und blieb, nach eigenem Bekunden, ihrem Ehemann treu.
Aber da gibt es auch die Frauen und Männer, die schon nach einigen Monaten neue Beziehungen beginnen. Haben sie nicht richtig geliebt, wird da gern vermutet.

Trauer wird beeinflusst von den eigenen Erfahrungen, der persönlichen Widerstandskraft, der Fähigkeit sich helfen zu lassen und der emotionalen Bereitschaft und Kompetenz des menschlichen Umfelds.
Es geht in keiner Weise darum, den Verlorenen zu vergessen, sondern die liebevolle Erinnerung, den Verlust und den Umgang mit dem Schmerz in das Weiterleben zu integrieren.
Mit der Zeit lernen wir, den Verlust zu akzeptieren und unserem Leben eine neue Orientierung zu verleihen.
Das dauert unterschiedlich lange und leider kommt es immer wieder vor, dass ein Betroffener auf einer Stufe der Trauer verharrt. (Darauf gehe ich auch in einem eigenen Beitrag ein)
Stufen der Trauer nach Kübler-Ross

Leugnung

Zorn

Unsicherheit

Verhandeln

Depression

Zustimmung

Auf die einzelnen Stufen werde ich auch in einem eigenen Beitrag noch genau eingehen.
Manche Stufen können wiederkehren oder überspungen werden.
Auch die Dauer variiert stark.

Öfter, als man annehmen dürfte, berichten mir Trauernde davon, dass sie gesagt bekommen:
„Meinst du nicht, es ist jetzt genug getrauert?“
„Denke doch an XY, du musst doch stark sein und weitermachen.“
„Das vergeht schon, bei mir war das auch so.“
„Er oder sie hätte das doch nicht gewollt, dass du so lange traurig bist.“
Und so weiter.

Wer für Trauernde da sein möchte, sollte authentisch sein und sich Mühe geben, die wahren Bedürfnisse des Betroffenen zu erfragen.
Obige Sätze sind sicherlich nett gemeint, helfen aber nicht.
Sie spiegeln die Hilflosigkeit und den Wunsch die Normalität zurückzuerhalten, wider.


Bei der Trauer geht es um eine subjektiv empfundene Gefühlslage und kein Aussenstehender kann beurteilen, ob es innerhalb einer angemessenen Zeitspanne ist.
Menschen mit starkem Grundvertrauen in den Lauf des Lebens und einem liebevollen Umfeld, sind oft effektiver in der Trauerbewältigung und können den Verlust schneller in ihr Leben integrieren.
Auch die Art des Versterbens spielt eine Rolle, war es plötzlich oder eine lange Leidenszeit?
Wer war es? Sind wir emotional tief verbunden oder waren wir uns nicht mehr ganz nah.
Neue Wege entwickeln, einen neuen Alltag aufbauen, eine neue Struktur und eine neue Hoffnung in die Zukunft entwickeln, erfordert Kraft, Vertrauen und ein Grundmaß an sozialer und existentieller Sicherheit. Tatsächlich spielt eine nicht unwesentliche Rolle, wie viele Abschiede und Verluste wir schon verkraften mussten. Wie wir damit umgingen und welche Nachwirkungen es noch immer in unserem Leben gibt. Haben wir früher schon Wege gefunden, Trauer zu verarbeiten, können wir auf unsere Erfahrungen zurückgreifen.
Durch die vilen
Wenn Sie gerade trauern, dann behalten Sie im Sinn:



Alles fällt schwer, wenn doch schon alles schwer fällt, doch es wird leichter, wenn man versteht, dass unsere Kultur sich gewandelt hat. Noch in meiner Jugend wurden wir zu Beerdigungen mitgenommen, wir standen am offenen Sarg, wir gingen zu den Gedenktagen auf den Friedhof und es wurde frei und ehrlich darüber gesprochen.
Heute muss alles wirtschaftlich von Nutzen sein. Alt ist out, gebräunt und mit zwei Trekkingstöcken haben wir fit mit weit über Siebzig durch den Wald zu hasten. Wir leben das Leben im Rückwärtsgang, eifern der längst vergangen Jugend nach, um nicht zurückzubleiben.
Kranksein, Siechtum, Sterben und Tod können nicht, dürfen nicht im Alltag existieren.
Im Krankenhaus, daheim hinter verschlossenen Türen, wenns schon sein muss.
Es ist kein Platz, es ist keine Zeit.
Sie machen das richtig, denn falsch gibt es bei der Trauer nicht.
Sie dürfen sich die Zeit nehmen, die sich brauchen, bis Sie spüren, dass Sie für den nächsten Schritt bereit sind.
Hofnungslosigkeit, Rückschläge, Verzweiflung und auch körperliche Symptome sind normal.
Dort wird verarbeitet, eine wirklich schwere Arbeit vollbracht.
Am manchem Tag kommt man nur mit Mühe aus dem Bett, am anderen Tag kann man kaum eine Stunde liegen.
Die Watte um den Kopf wird eines Tages lichter und dann machen Sie sich auf den Weg in Ihre Zukunft. Nicht voller Hoffnung zuerst, sondern mit dem kleinen Antrieb, der den Unterschied zwischen lebendig und tot ausmacht.
Sie werden plötzlich bemerken, dass sich die Jahreszeit geändert hat.
Sie werden die Natur betrachten, als wäre es das erst Mal.
Zögernd werden Sie sich mit Freunden in einem Café treffen.
Dann wieder zum Sport gehen.
Der erste Todestag wird kommen und mit ihm die Erkenntnis, dass alle Jahre danach leer sind von Erinnerungen. Vorbei ist: „Heute vor einem Jahr, warst du noch da“
Uns Sie gehen den nächsten Schritt, räumen vielleicht schon ein paar Dinge des Verstorbenen weg, gehen nicht mehr bei WInd und Wetter zum Grab.
Heute haben Sie zum ersten Mal herzhaft gelacht in dieser ungezwungen Runde und haben vergessen, dass doch so lange alles anders war.
So gehen Sie Schritt für Schritt in Ihre veränderte Zukunft.
Der Verstorbenen findet mehr und mehr seinen eigenen, neuen Platz in Ihrem Leben.
Dort wird er nun bleiben, nie werden Sie vergessen, aber Sie können wieder frei atmen.

Wenn Sie Hilfe benötigen, jeder Hospizverein kann Ihnen Adressen von Trauergruppen und Trauerbegleitern nennen. Scheuen Sie sich nicht zu fragen.
Dort versteht man Sie, dort weiß man, von was Sie reden, ohne lange Erklärungen.


Natürlich können Sie mir auch jederzeit schreiben
trauerlicht@gmx.de


Herzlichst, Ihre Heike

©heike arndt

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